Zwischen Tradition und Ekstase – unterwegs in den Benelux-Ländern

Teil IV der Sommerartikelreihe: Klöster, Kunst und Museen

©F5ZV, CCA-SA 3.0, wikimedia

In der Sommerzeit lassen viele Menschen den Arbeitsalltag zurück und haben Muße, sich auf die Suche nach neuen Entdeckungen zu machen und sich überraschen zu lassen. Die freie Zeit gibt Gelegenheit, neue Erfahrungen zu machen oder im Unterwegssein Kunst und Architektur zu begegnen.

Klöster bieten dazu überall in Europa vielfältige Anknüpfungspunkte. Ihre Kunstschätze, Architektur, Bibliotheken oder klostereigene Museen eröffnen die Möglichkeit niederschwelliger Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe Europas. Orden.de präsentiert in diesem Sommer in einer Artikelreihe unter dem Titel „Klöster, Kunst und Museen“ Beispiele dafür. Sie bietet Einblicke in die vielfältige europäische Klosterlandschaft und zeigt auf, wo einige von ihnen selbst in Ausstellungen und Museen in den Dialog mit Gegenwart, Geschichte und Kunst eintreten.

Wer lieber der Sonne des Südens entflieht, ist eingeladen, sich auf die Spuren alter Klöster in den Benelux-Staaten zu begeben. Trotz Säkularisierung prägen lebendige Klöster und das lokale Traditionsbewusstsein bis heute Orte der Ruhe und spirituellen Einkehr. Besonders in den Sommermonaten lädt diese Reise dazu ein, fast vergessene Klöster neu zu entdecken. Orden.de lädt Sie ein, Ihre Entdeckungsreise im Zentrum der Niederlande zu beginnen – und sich von dort aus von Kloster zu Kloster durch verschiedene Bistümer, Länder und Sprachräume führen zu lassen.


Kloster Sint Agatha – 650 Jahre Kreuzherren

Das Kloster Sint Agatha ist das älteste nach wie vor bewohnte Kloster der Niederlande. Bereits vor den Toren des Dorfes Sint Agatha ist das Kloster von Weitem zu sehen. Es wird seit 1371 ununterbrochen von Kreuzherren (Mönchen des Ordens vom Heiligen Kreuz) bewohnt.

Seit 2006 ist das Erfgoedcentrum Nederlands Kloosterleven („Kulturerbezentrum für das niederländische Klosterleben“) in Sint Agatha untergebracht. Das Zentrum widmet sich dem Erhalt und der Präsentation des klösterlichen Erbes der Niederlande. Es ist aus eigener Initiative der Ordensgemeinschaften entstanden und verfügt über keinerlei staatliche Unterstützung.

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Ein Besuch ist spannend, da dort Gegenstände, Dokumente und Geschichten aus Klöstern verschiedener Ordensgemeinschaften gesammelt, archiviert und gezeigt werden. Regelmäßig finden auch  thematische Ausstellungen für die Öffentlichkeit statt.

Auch die Klosterkirche und der jahrhundertealte, denkmalgeschützte Klostergarten können besichtigt werden. Der 2,5 Hektar große Garten ist heute Teil des Museumsbereichs. Er diente der Versorgung der Kreuzherren: Sie lebten jahrhundertelang weitgehend von den Erzeugnissen des Landes mit einem Gemüsegarten, Obstbäumen, Fischteichen, Hühnerställen und Bienenstöcken. Der Garten wurde auch in der Freizeit zum Spazierengehen, für Sport, Gebet und zur Einkehr genutzt.

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Zusters Birgittinessen – Maria Refugie und Museum Krona

Die Birgittinnen, Anhängerinnen der Hl. Brigitta von Schweden, haben sich 1443 in den Niederlanden niedergelassen. Nachdem sie wegen eines Verbots des Katholizismus aus der Stadt Rosmalen fliehen mussten, haben sie 1713 in Uden Zuflucht gefunden. Von den einst 64 Brigittinen-Klöstern haben nur zwei die Stürme der Reformation, der Pest und der Säkularisierung überstanden: Das Kloster in Uden und das Kloster im schwedischen Vadstena.

Hier geht es zur Webseite der Birgittinen

Nach einem deutlichen Rückgang der Zahl der Schwestern beschlossen diese, den Komplex der Birgittinnen-Abtei Maria Refugie für die Gründung eines Museums zur Verfügung zu stellen. Nun in den Händen des Staates, trägt es seit 2019 den Namen „Krona“, das schwedische Wort Krone, in Erinnerung an die besondere Krone, die die Brigittinnen tragen: Sie besteht aus drei weißen Bändern, die miteinander verbunden sind. Die Stellen, an denen sich die Bänder kreuzen, symbolisieren die fünf Wunden Christi.

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Das Museum hat sich zu einem bedeutenden Zentrum für religiöse, christliche und spirituelle Kunst in den Niederlanden entwickelt. Neben der Sammlung des Bistums werden auch bedeutende Stücke aus der Abtei ausgestellt. Dazu gehört eine große Sammlung spätmittelalterlicher Skulpturen, die der Meister von Koudewater für das alte Kloster in Rosmalen schuf.

Das Museum präsentiert bis zum 7. September zwei Sonderausstellungen: OMG! RELI POPART und Dialoog & Confrontatie. Beide verbinden das alte mit zeitgenössischer Kunst, beziehungsweise Pop-Art.

Hier gibt es weitere Informationen zu den Ausstellungen


©Vynckier, Geert, CCA 4.0, wikimedia

700 Jahre mystische Tradition –
„In Ecstasy“

Unser nächster Aufenthalt wahrt die Sprache, aber taucht in die Region Flanderns ein. Am Löwener Stadtrand befindet sich die im 12. Jahrhundert begründetet Abtei Park, als Heimatort von Norbertinern, eine niederländische und flämische Bezeichnung für die Prämonstratenser. Die Park-Abtei gilt als eine der am besten erhaltenen Abteien in Westeuropa. Neben der Abtei und der dazugehörigen Kirche umfasst der Komplex auch ein Landgut und ausgedehntes Gelände mit Wiesen und Teichen. Eine kleine Anzahl an Prämonstratenser-Chorherren lebt dort heute.

Das in den Klosteranlagen beherbergte Museum der Abtei Park („Parcum“) hat in Zusammenarbeit mit dem Interfakultäts-Dokumentations- und Forschungszentrum Religion, Kultur und Gesellschaft der Universität  Löwen (KADOC – KU Leuven) das Project „In Ecstasy“ begründet. Ziel des Projektes ist es, neue Perspektiven auf Ekstase, Religion und Bewegung zu eröffnen um in 700 Jahre mystische Tradition einzutauchen.  

Seit dem 10. Mai 2025 ist die Ausstellung „Ecstasy & Orwoet“ im Abteimuseum zu sehen. Sie will durch die Konfrontation von religiösem Erbe und zeitgenössischer Kunst einen neuen Blick auf das Themenfeld der Ekstase eröffnen. Ekstase als religiöses Ritual verfolgt das Ziel, sich mit Gott zu vereinen. Diese mystischen Erfahrungen waren in der Vergangenheit durchaus stark reglementiert. Die Ausstellung führt ins 13. und 14. Jahrhundert, die Blütezeit der christlichen Mystik, geprägt durch Urbanisierung und neue religiöse Gemeinschaften – Klöster und Beginenkonvente. Figuren wie Lutgardis von Tongeren oder Hadewijch prägten eine intensive, ekstatische Gotteserfahrung, aus der neue Konzepte wie „Orewoet“ – eine leidenschaftliche Gottessehnsucht – hervorgingen. Die Ausstellung stellt die Frage, wie diese historische „Unio Mystica“ mit unserer modernen Welt in Beziehung zu bringen ist. Menschen suchen Ekstase auf vielfältige, individuelle Weise durch Kunst, Musik, Sport, Meditation oder Psychedelika, denn das Bedürfnis nach transzendenter Erfahrung bleibt stark. Zeitgenössische Kunst wird dabei zum Mittel, um solche Erfahrungen zu erkunden. Kunstwerke von Marina Abramovic, Jeremy Shaw oder Emma Talbot sind dort ausgestellt.

Weitere Infos zu den Ausstellungen hier


Abtei Orval

Die Trappisten-Zisterziensermönche von Orval, in der südlich gelegenen belgischen Provinz Luxemburg, gehen auf das Jahr 1070 zurück. Die Abtei erlebte im Laufe der Jahrhunderte vielfache Zerstörungen, zuletzt während der Französischen Revolution. Der Wiederaufbau begann 1926 auf den Fundamenten aus dem 18. Jahrhundert. Die neue Abteikirche wurde 1948 geweiht. Architektonisch verbindet die Abtei Elemente verschiedener Stile von vorromanisch bis Barock und zeigt typische zisterziensische Merkmale wie präzise Akustiklösungen für den Gesang der Mönche. Heute leben rund 15 Trappistenmönche in der Klosteranlage.

©Etychon, gemeinfrei/wikimedia

Unter dem Namen „Orval“ sind aber auch das Trappistenbier und ein Käse bekannt. Bier, oft als „flüssiges Brot“ bezeichnet, wurde wohl schon früh im Kloster gebraut; eine Quelle erwähnt eine Hopferei, die bereits vor 300 Jahren existierte. Die heutige Brauerei wurde jedoch erst 1931 gegründet, um Arbeitsplätze zu schaffen. Die Käseprodukte werden seit 1928 in der Abtei von Orval nach einem Rezept der Trappistenmönche von Port du Salut aus dem Jahr 1816 hergestellt.

Weniger bekannt, aber durchaus sehenswert, ist das Abteimuseum. Es bietet Einblicke in Architektur, regionale Eisenverhüttung und monastische Sakralkunst. Eine Besonderheit ist dabei sein Standort: die neoklassischen Gewölbe aus dem 18. Jahrhundert.
Die Geschichte der Abtei von Orval wird anhand von Modellen, Architekturfragmenten und Objekten anschaulich gemacht. Zu sehen sind Überreste verschiedener Epochen, von vorrömischen Kapitellen bis hin zu barocken Elementen, sowie typische Zeugnisse zisterziensischer Baukunst. Ein weiterer Ausstellungsteil widmet sich der Eisenverhüttung mit kunstvollen Gussarbeiten und der Kunst aus der Art-Déco-Zeit, als das Klosterleben in Orval ab 1926 wiederauflebte. Ergänzt wird das kulturelle Erbe des Klosters durch ein pharmazeutisches Museum, in dem eine originalgetreu rekonstruierte Apotheke des 18. Jahrhunderts an die Heilkunde des Klosters erinnert. Das Kloster war für sein hochprozentiges Kräuterwasser „Eau d’Arquebusade“ (‚Arkebusen-Wasser‘) weithin bekannt.

Hier geht es zur Internetseite des Klosters


Auch in Deutschland fertigen die Maristen-Brüder heute noch
Arquebuse an. 

Arquebuse auf klosterportal.org abrufen


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Abtei Clerf

Etwas südöstlich, diesmal im Großherzogtum Luxemburg, befindet sich die Abtei Clerf.
Die Benediktinerabtei St. Mauritius und St. Maurus erhebt sich über das Tal in der Region „Éisleck“. Das Gebäude im neuromanischen Stil wurde 1909–1910 von Benediktinermönchen der Abtei Saint-Maur in Glanfeuil (FR) errichtet.

Im Zuge der Französischen Revolution mussten die Benediktinermönche fliehen und fanden in Belgien Zuflucht. Nach einer gescheiterten Rückkehr nach Frankreich, ließen sie sich in Luxemburg nieder. Der Architekt war der niederländische Kirchenbaumeister Johannes F. Klomp, so bleibt die Abtei ganz im Geiste von Benelux.

Die Mönche versammeln sich sieben Mal täglich zu den Gebetszeiten und Gottesdiensten unter der Leitung des Abtes. Auch Gäste aller Herkunft sind dazu eingeladen.

Eine Fotoausstellung, die das Leben und die Arbeit der Benediktiner zeigt, ist in der Krypta zu sehen. Da Krypta, Vorhof und Kirche die einzigen öffentlich zugänglichen Bereiche der Abtei sind, bietet die Ausstellung besondere Einblicke in das klösterliche Leben.

Die Webseite der Klosters gibt es hier