Teil III der Sommerartikelreihe: Klöster, Kunst und Museen
In der Sommerzeit lassen viele Menschen den Arbeitsalltag zurück und haben Muße, sich auf die Suche nach neuen Entdeckungen zu machen und sich überraschen zu lassen. Die freie Zeit gibt Gelegenheit, neue Erfahrungen zu machen oder im Unterwegssein Kunst und Architektur zu begegnen.
Klöster bieten dazu überall in Europa vielfältige Anknüpfungspunkte. Ihre Kunstschätze, Architektur, Bibliotheken oder klostereigene Museen eröffnen die Möglichkeit niederschwelliger Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe Europas. Wir präsentieren in diesem Sommer in einer Artikelreihe unter dem Titel „Klöster, Kunst und Museen“ Beispiele dafür. Sie bietet Einblicke in die vielfältige europäische Klosterlandschaft und zeigt auf, wo einige von ihnen selbst in Ausstellungen und Museen in den Dialog mit Gegenwart, Geschichte und Kunst eintreten.
Der dritte Teil der Sommerreihe führt uns südöstlich von Deutschland nach Tschechien. Lassen wir uns in die Geschichte und Schönheit der böhmischen, märischen und schlesischen Lande entführen.
Balou46, CC BY-SA 3.0, wikimediaKloster Strahov
Die Prämonstratenserabtei Strahov führt uns in Tschechiens Hauptstadt Prag. Die älteste Prämonstratenserabtei Böhmens besticht mit einer langen Geschichte, schöner Architektur und zahlreichen kulturellen Gütern und Angeboten. Gegründet wurde die Abtei um 1140 mithilfe des damaligen Bischofs Heinrich Zdik und ist seitdem bis heute Kloster der Prämonstratenser. Besucher und Gäste der Abtei können zahlreiche Bereiche des Klosters besichtigen:
Bekannt ist die Abtei für ihre große Bibliothek, die seit Gründung des Klosters bestand und kontinuierlich erweitert wurde. Heute befinden sich die zahlreichen Unikate, Drucke, Handschriften, Stiche und Landkarten in mehreren barocken und klassischen Sälen. Bei einem Besuch können Besucher einen Blick in den Theologischen Saal werfen, der Anfang der 1670er Jahre von Abt Hieronymus Hirnheim erbaut wurde. Ihm folgt der größere Philosophische Saal, der zwischen 1782 und 1797 von Abt Václav Mayer errichtet wurde. Die Decke des Philosophischen Saals wurde vom bedeutenden österreichischen Maler Franz Anton Maulbertsch dekoriert.
Nicht minder sehenswert ist die Kunstgalerie des Klosters Strahov. Diese wurde 1835 gegründet und besteht aus über 2.000 Bildern, von denen 200 ausgewählte Exponate aus dem 14. bis 20. Jahrhundert zu besichtigen sind. Zu den bekanntesten Werken gehören Der apostolische Zyklus von Ignaz Raab 1751 und Christus wird von Engeln gedient von Johann Georg Heinsch 1684.
Ein weiteres Highlight stellt die Abteikirche Mariä Himmelfahrt dar. Die ursprünglich 1148 errichtete romanische Kirche wurde 1991 durch Papst Johannes Paul II. zur basilica minor erhoben. In ihrer heutigen barockisierten Form ist die 56 Meter lange Kirche der Ort, wo die Prämonstratenser täglich ihr Chorgebet beten und die heilige Messe feiern. Hier befinden sich die Reliquien des Norbert von Xanten. Besonders hervorzuheben sind die Malereien im Gewölbe, die Szenen aus dem Leben der Mutter Gottes zeigen und von Ignaz Raab und Josef Kramolin stammen.
Zu guter Letzt lohnt sich ein Blick in die Klostergärten der Abtei Strahov. In mehrere Bereiche unterteilt, laden sie zum Verweilen ein. Neben dem Klostergarten im französischen Stil und dem Abtsgarten werden in den großen Gärten der Abtei Weinreben angebaut. Von dort bietet sich Besuchern ein atemberaubender Blick über die Stadt Prag.
In der Abtei wird neben Führungen durch das Kloster auch ein kulturelles Programm angeboten, so unter anderem am 17. September ein Konzert des Prager Barock- und Vokalensembles Collegium 1704 in der Bibliothek.
Ein Besuch der Abtei Strahov im Herzen der Hauptstadt Prag lohnt sich.
I wish that your visit to Strahov brings you joy both physically and spiritually, that you allow yourself to be inspired by the spirituality, beauty, and art, and invite God’s grace to touch your heart.
Daniel Peter Janacek, Abt des Klosters Strahov
VitVit, CC BY-SA 4.0, wikimediaWallfahrtskirche Maria vom Siege
Venio-Gemeinschaft der Benediktinerinnen auf dem Bílá Hora in Prag
Wer vom Kloster Strahov aus nach Westen fährt, kommt nach zweieinhalb Kilometern an der Erzabtei Brevnov vorbei. Ein Besuch der beeindruckenden Klosteranlage ist lohnend, wir fahren jedoch nochmals drei Kilometer weiter und besuchen ein tschechisch-deutsches Gemeinschaftskloster:
Ebenfalls in Tschechiens Hauptstadt befindet sich eine der beiden Gemeinschaften der Benediktinerinnenabtei Venio von der Verklärung des Herrn. Die Benediktinerinnen kümmern sich um den Wallfahrtsort auf dem Bílá Hora, dem Weißen Berg. Hier vereint sich die bedeutungsträchtige Geschichte des Ortes mit der langjährigen Tradition von Benediktinerinnen in Tschechien. Ein kurzes Video auf der Homepage der Gemeinschaft gibt einen Überblick.
Das Wirken der Ordensschwestern in Tschechien, dessen Ursprünge in das Jahr 973 zurückreichen, fand im Zuge der Säkularisierung unter Kaiser Joseph II. im Jahr 1782 ein vorläufiges Ende. Durch die Initiative einiger tschechischer Schwestern in Polen wurde 2007, knapp 100 Jahre nach der Schließung des letzten Benediktinerinnenklosters in Tschechien, die Niederlassung von Benediktinerinnen auf dem Weißen Berg eingerichtet. Die Gebäude und das Wallfahrtsareal wurden den Benediktinerinnen von der nahegelegenen Benediktiner-Erzabtei Brevnov zur Verfügung gestellt, die Verantwortung für die Gemeinschaft übernahm die Benediktinerinnenabtei Venio aus München. Heute leben Deutsche und Tschechische Schwestern im Konvent auf dem Weißen Berg, beten zweisprachig und kümmern sich um die Wallfahrt.
Zu Ehren des Sieges der katholischen Liga in der bekannten Schlacht am Weißen Berg 1620 wurde eine Kapelle auf dem Weißen Berg errichtet und 1624 die erste Prozession durch Erzbischof Johannes Lohelius am Jahrestag der Schlacht durchgeführt. Seitdem entwickelte sich ein reges Wallfahrtsleben auf dem Bílá Hora. Anfang des 18. Jahrhunderts ließ der Baumeister und Maler Christian Luna den Wallfahrtsort ausbauen und errichtete die bis heute bestehende barocke Anlage mit der Wallfahrtskirche Maria vom Siege, welche auf dem Bild zu sehen ist. Nach Restaurierungsarbeiten wurde das Wallfahrtsareal 2018 zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt.
Gästen und Besuchern bieten die Schwestern ein vielfältiges Angebot: Neben dem Gästehaus im alten Pilgerhaus, welches 18 Personen beherbergen kann, bieten die Schwestern nach Absprache Führungen für Gruppen und Einzelpersonen auf Tschechisch oder Deutsch. Neben den Gottesdiensten donnerstags und sonntags finden viele weitere Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der örtlichen Pfarrei statt: Am 17. August findet in der Wallfahrtskirche ein Violinkonzert mit den ältesten tschechischen Violinsonaten statt und das neue Cafe Bozí kavárny lädt zum Verweilen ein.
Außerdem können Besucher in diesem Jahr die Ausstellung „Der echte Santini“ im Außengelände des Wallfahrtsortes besuchen. Es geht dabei um das Leben und die Werke des Architekten Jan Blazej Santini-Aichl. Neben sechs großzügigen Informationstafeln in den Arkaden des Kreuzgangs werden auch traditionell mit Santini verbundene Bauelemente im Wallfahrtsbereich präsentiert. Ab September werden in der Ausstellung auch 3D-Modelle mit Beispielen typischer Bauelemente Santinis gezeigt. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Architektur der Tschechischen Technischen Universität entstanden.
Wer mehr über die Schlacht am Weißen Berg erfahren möchte, für den empfiehlt sich ein Besuch des nahegelegenen, Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten, Jagdschlosses Stern. Es ist öffentlich zugänglich und in in ihm befindet sich eine Ausstellung zur Schlacht am Weißen Berg. Weitere Informationen für Gäste und Besucher stellt die Gemeinschaft auf ihrer Website bereit.
Kloster Vyšší Brod – Hohenfurth
Ein Besuch der Zisterzienserabtei Vyšší Brod – Hohenfurth – führt den Besucher in den Süden Tschechiens ins Bistum Budweis, westlich der Einmündung der kleinen Moldau in die Moldau. Die 1259 gegründete Abtei der Zisterzienser ist seit 1995 ein Nationales Kulturdenkmal Tschechiens. Als eines von drei an der Moldau gelegenen Zisterzienserklöstern verbindet Vyšší Brod den Charme einer alten Abtei mit einer Verbundenheit zur Natur. Doch auch Kulturliebhaber kommen in der Abtei nicht zu kurz: Die Zisterzienser des Klosters Vyšší Brod bieten ihren Besuchern drei verschiedene Reisen durch Geschichte und Kunst der Abtei:
Donald Judge, CC BY 2.0, wikimediaDie erste Route beginnt in der Abteikirche Mariä Himmelfahrt. Der Bau, in dem die Zisterzienser sieben Mal täglich zum Gebet zusammenkommen, wurde im 14. Jahrhundert fertiggestellt. Die heutige Innenausstattung der ursprünglich gotischen Kirche stammt aus dem Barock und der Neugotik. Im Rahmen der tschechisch-österreichischen Landesaustellung 2013 wurde die Renovierung der Abteikirche in Angriff genommen.
Die Galerie der Gotik ist das zweite Highlight der Tour. Die Galerie bildet den Kern der Kunstsammlung des Klosters mit Gemälden und Skulpturen aus dem 14. und 15. Jahrhundert wie der Statue des Heiligen Nikolaus von Rosenberg oder dem Bildnis der Kreuzigung aus Vyšší Brod. Zu erwähnen ist auch die Gemäldegalerie, welche die umfangreichste und wertvollste kunsthistorische Sammlung aller Zisterzienserklöster in der Tschechischen Republik beherbergt. Die Sammlung reicht von Gemälden des Barocks bis hin zu Statuen aus umliegenden Pfarrkirchen und Dörfern an der Grenze zu Österreich, die durch die Errichtung des „Eisernen Vorhangs“ zerstört wurden.
Die Klosterbibliothek, der letzte große Punkt der Tour, hält über 70.000 Bücher bereit. Die drittgrößte Klosterbibliothek Tschechiens. beherbergt eine Vielzahl von barocken Drucken sowie illuminierten Handschriften, was sie zur besterhaltenen Klosterbibliothekssammlung Tschechiens macht.
Wolfgang Sauber, CC BY-SA 3.0, wikimediaAbteikirche Mariä Himmelfahrt
Bei einer zweiten Tour steht das Reliquiar des Závišuv-Kreuzes im Mittelpunkt. Das goldene Kreuz ist ein nationales Kulturdenkmal der Tschechischen Republik, indem ein Stück Holz des Kreuzes Christi enthalten sein soll. Das Kreuz befindet sich im Rosenberg-Oratorium im Erdgeschoss der Abteikirche, dem Zielpunkt der Tour, wohin der Besucher nach dem gotischen Keller gelangt. In diesem befindet sich die Ausstellung „Závišuv kríz – mystischer Glanz “, die sich mit der Geschichte und den Details des Reliquiars befasst. Außerdem sind dort die Ergebnisse einer Untersuchung des Rosenberger Grabes, der Nekropole der langjährigen Unterstützerfamilie aus der Gründungszeit des Klosters, ausgestellt.
Die dritte Tour besteht aus der Dauerausstellung „Im Zeichen der Lilie und der Rose“ und befasst sich mit der Geschichte des Zisterzienserordens und des Klosters Vyšší Brod. In vier verschiedenen Themenbereichen beschäftigt sich die Ausstellung mit den Gründern des Ordens sowie den ersten Zisterzienserklöstern, der Spiritualität und dem Leben der Mönche in Vergangenheit und Gegenwart. Beiträge zum europäischen Kulturerbe und im letzten Bereich zur Geschichte und Gegenwart des Klosters Vyšší Brod vervollständigen das Bild. Für Kinder wird ein interaktiver Workshop angeboten. Die Ausstellung ist bis zum 30. September von Montag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Der Klosterladen bietet eine schöne Gelegenheit, Präsente und Mitbringsel einzukaufen. Eine Reise in den Süden Tschechiens lohnt sich.
Weitere Informationen zur Zisterzienserabtei sowie ein virtueller Rundgang befinden sich hier auf der Website des Klosters.