Geld und Geschichte – Ausflug nach Österreich

Teil V der Sommerartikelreihe: Klöster, Kunst und Museen

In der Sommerzeit lassen viele Menschen den Arbeitsalltag zurück und haben Muße, sich auf die Suche nach neuen Entdeckungen zu machen und sich überraschen zu lassen. Die freie Zeit gibt Gelegenheit, neue Erfahrungen zu machen oder im Unterwegssein Kunst und Architektur zu begegnen.

Klöster bieten dazu überall in Europa vielfältige Anknüpfungspunkte. Ihre Kunstschätze, Architektur, Bibliotheken oder klostereigene Museen eröffnen die Möglichkeit niederschwelliger Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe Europas. Orden.de präsentiert in diesem Sommer in einer Artikelreihe unter dem Titel „Klöster, Kunst und Museen“ Beispiele dafür. Sie bietet Einblicke in die vielfältige europäische Klosterlandschaft und zeigt auf, wo einige der Klöster selbst in Ausstellungen und Museen in den Dialog mit Gegenwart, Geschichte und Kunst eintreten.

Nach unserem Ausflug in die Benelux-Staaten und an die Nordsee geht es nun in die Alpen nach Österreich. Österreichs Klosterlandschaft ist geprägt von vielen alten, ehrwürdigen Abteien, Stiften und weiteren Klöstern. In Vielen kann man die Geschichte und den kulturellen Reichtum spüren und sehen. Ein Besuch dieser bedeutenden Orte, vielleicht auch in Verbindung mit einem Wanderurlaub ist sehr zu empfehlen.


©C.Stadler/Bwag; CC-BY-SA-4.0

Stift Klosterneuburg

Nordwestlich von Wien liegt in Niederösterreich das Stift Klosterneuburg in der gleichnamigen Stadt. 1133 wurde das Stift kurz nach seiner Gründung den Augustiner Chorherren übergeben, die bis heute das Kloster beleben. Aktuell wohnen noch fast vierzig Chorherren im Kloster.

Auf dem Gelände des Klosters gibt es sehr viel zu sehen. Neben der Stiftskirche können Interessierte auch die Schatzkammer, das Stiftsmuseum, die Galerie der Moderne, die Vinothek und in Führungen auch weitere Innenräume des Klosters selbst besichtigen.

In einem der Säle des Stiftsmuseums, der Sala terrena Galerie, ist aktuell die Sonderausstellung „Gott und Geld – Kunst zwischen Konsum und Spiritualität“ zu sehen. Mit Werken aus fünf Jahrhunderten wird in der Ausstellung ein kritischer Blick auf die Verbindung materieller Güter mit der Religion geworfen und es soll zum Nachdenken angeregt werden. Das Thema der Ausstellung begleitet die Menschheit durch die Geschichte hinweg und kommt auch in der Bibel mit dem alttestamentarischen Propheten Amos, welcher die Geschäftemacherei anprangert, und der bekannten Tempelreinigung durch Jesus vor.


Die Ausstellung Gott und Geld bewegt sich im Spannungsfeld zwischen der spirituellen und der materiellen Sphäre und zeigt Werke aus fünf Jahrhunderten. Aus dem Tanz ums Goldene Kalb wird ein Tanz um die goldene Münze.


Den zentralen Teil der Ausstellung bilden die Preisträger des St.Leopod-Friedenspreises, Kunstpreis des Stiftes, 2024. Die Künstler versuchen in ihren Werken das Unbehagen vieler Menschen angesichts der heutigen Ressourcenverschwendung wiederzugeben. Die Ausstellung geht noch bis zum 15. November 2025.

Weitere Informationen finden sich auf der Website des Stifts Klosterneuburg.


©Ot, CC BY-SA 3.0, wikimedia

Das Benediktinerstift Admont

Unser nächstes Ziel bringt uns in die Steiermark an die mittlere Enns und an das westliche Ende der Gesäuse-Gebirgskette. Dort liegt die Benediktinerabtei St. Blasius zu Admont, das älteste bestehende Kloster der Steiermark. Gegründet wurde das Stift 1074 durch den damaligen Erzbischof Gebhard von Salzburg auf dem dafür bereitgestellten Anwesen der hl. Hemma von Gurk. Ein kulturelles Zentrum wurde das Kloster spätestens durch die im 12. Jahrhundert gegründete Schreibschule.

Unter anderem deswegen befindet sich in Admont die größte Klosterbibliothek der Welt, die über 200.000 Werke umfasst. In den prächtigen Bibliothekssälen barocker Ausstattung finden sich neben den Büchern einige Skulpturen und Reliefs des Stiftbildhauers Josef Stammel aus dem 18. Jahrhundert. Die Fresken und reiche architektonische Ausstattung bestechen Besucher mit ihrer Eleganz und Schönheit.

Einen weiteren kulturellen Höhepunkt bietet das Stiftsmuseum, welches 2003 eröffnet wurde. Es ist unterteilt in mehrere Abteilungen. Ein Teil ist der Gotik gewidmet und besteht größtenteils aus der geschenkten Sammlung des Ehepaares Mayer. Des Weiteren beherbergt das Museum eine kunsthistorische und eine naturhistorische Sammlung sowie eine Abteilung für moderne Kunst. Aktuell beherbergt das Museum eine Sonderausstellung zur Geschichte und Entwicklung des Stiftes anlässlich des 950-Jahre-Jubiläums im letzten Jahr. In dieser Ausstellung wird auch das 1121 gegründete Nonnenstift thematisiert, welches dem Benediktinerkloster angeschlossen war.


Heute ist das Stift Admont ein Ort gelebter Vielfalt, spiritueller Tiefe und kultureller Strahlkraft – damals wie heute ein lebendiger Mittelpunkt der Region.

~Website des Stifst Admont


Viele weitere Sehenswürdigkeiten des Stifts finden sich auf der Website des Klosters Admont.


Karmel Mayerling

Südwestlich von Wien im Wienerwald gelegen befindet sich ein hübsches Kloster in Mayerling, knapp eine Stunde von der Hauptstadt mit dem Auto entfernt. Ein Tagesausflug an diesen historisch bedeutenden und landschaftlich beeindruckenden Ort ist sehr lohnenswert. Bei dem Kloster handelt es sich um den Karmel St. Josef, einen durch seine Geschichte bestimmten Ort der Sühne. Aber der Reihe nach:

©C.Stadler/Bwag; CC-BY-SA-4.0

Das Anwesen in Mayerling, welches sich ursprünglich seit 1550 im Besitz des drei Kilometer entfernten Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz befand, wurde 1886 vom österreichischen Kronprinzen und passionierten Jäger Rudolf gekauft und zu einem Jagdschlösschen umgebaut. Zur Einweihung 1887 kamen ebenfalls Kaiser Franz Joseph I. und die berühmte Kaiserin Elisabeth, auch bekannt als Kaiserin Sisi. Doch der Ort birgt auch düstere Schattenseiten, denn die Idylle währte nicht lange. Keine zwei Jahre nach der Einweihung zerstörte das tragische Ereignis vom Tod des Kronprinzen den Frieden des Jagdschlösschens. Am 30. Januar 1889 wurden Kronprinz Rudolf und seine Geliebte, die Baronesse Mary Freiin von Vetsera, tot im Bett aufgefunden.

Nach dem Tod seines Sohnes stiftete der Kaiser das Schloss als Kloster, um einen Ort des Gebets und der Sühne zu schaffen, welches 1891 als der Karmel St. Josef eingeweiht wurde. Heinrich Schemfil und Josef Schmalzhofer wurden mit dem Umbau beauftragt: Neben der Kirche, die dem heiligen Josef geweiht ist, mit einer Seitenkapelle entstehen auch Sakristei, Zellen und ein Pfortenbereich mit Sprechzimmer, außerdem wird eine Klausurmauer erbaut. Der Altar der Kirche wird direkt über dem Ort der Tragödie selbst errichtet. Den Karmelitinnen obliegt seitdem die Betreuung der Gedächtnisstätte. Der Kaiser selbst besuchte das Kloster in seinen Lebzeiten acht Mal, vier Mal davon mit Kasierin Sisi.

2014 eröffnete das neue Informations- und Besucherzentrum, in der sich eine informative Ausstellung rund um den Thronfolger und dietragischen Umstände seines Ablebens. Sie bieten so einen Einblick in die damalige Zeit. Zu sehen sind unter andere, der Stiftungskelch des Kaisers und eine Fotodokumentation zum Kronprinzen Rudolf.

Die Karmelitinnen leben vor Ort ein verborgenes und bescheidenes Leben mit viel Gebet und Betrachtung. Aufgrund der unmittelbaren örtlichen Nähe zum Stift Heiligenkreuz und der dortigen philosophisch-theologischen Hochschule sehen die Karmelitinnen die Unterstützung der geistlichen Berufungen als ihre besondere Aufgabe an. Sie leben unter anderem von den wenigen Einnahmen, die durch die Führungen von Touristen hereinkommen. Die heilige Messe findet sonntags und montags um 19 Uhr statt, ansonsten um 6:45 Uhr. Gebetsanliegen nehmen die Schwestern gerne an.

Weitere Informationen über den Ort und seine Geschichte gibt es auf der Homepage des Karmels Mayerling.