Bella Italia – auf den Spuren von Klösterschätzen und Fresken

Teil VI der Sommerartikelreihe: Klöster, Kunst und Museen

©Diego Baglieri, CCA-SA 4.0, wikimedia

In der Sommerzeit lassen viele Menschen den Arbeitsalltag zurück und haben Muße, sich auf die Suche nach neuen Entdeckungen zu machen und sich überraschen zu lassen. Die freie Zeit gibt Gelegenheit, neue Erfahrungen zu machen oder im Unterwegssein Kunst und Architektur zu begegnen.

Klöster bieten dazu überall in Europa vielfältige Anknüpfungspunkte. Ihre Kunstschätze, Architektur, Bibliotheken oder klostereigene Museen eröffnen die Möglichkeit niederschwelliger Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe Europas. Orden.de präsentiert in diesem Sommer in einer Artikelreihe unter dem Titel „Klöster, Kunst und Museen“ Beispiele dafür. Sie bietet Einblicke in die vielfältige europäische Klosterlandschaft und zeigt auf, wo einige der Klöster selbst in Ausstellungen und Museen in den Dialog mit Gegenwart, Geschichte und Kunst eintreten.

Nach einem möglichen Urlaub in Österreich führt die Reise weiter über die hohen Gipfel der Alpen in den Süden. Auch die italienische Landschaft ist reich an Klöstern, Kirchen und sakralen Bauten. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf einige Klösterhauptsächlich im Norden Italiens.


Abbazia di Piona

Wir beginnen unsere italienische Reise an der Schweizer Grenzen in den Alpen. Die Zisterzienserabtei Piona geht auf das Jahr 1138 zurück und beherbegte zunächst Cluniazenser. Ende des 18. Jahrhunderts kamen die Zisterzienser und leben seither vom Verkauf ihrer Erzeugnisse, heutzutage von Likör und Kräutertees. Nördlich der Comer Sees, auf einer Halbinsel gelegen, laden die Brüder zu gemeinsamen Gebetszeiten ein. 

©Fabio Poggi, CCA 3.0, wikimedia

Besonders anschaulich und künstlerisch bemerkenswert ist der Kreuzgang der Abtei Piona. Als spirituelles und funktionales Zentrum des Klosters ist er ein Ort der Meditation, des Gebets, der Gespräche und der Versammlungen der Mönche. Er wurde zwischen 1252 und 1257 im Auftrag des Priors Bonaccorso de Canova aus Gravedona errichtet, wie zwei Inschriften im Süd- und Nordbereich belegen. Der Kreuzgang hat eine quadratisch-irreguläre Form mit unterschiedlicher Seitenlänge und variierender Anzahl an Bögen pro Seite (8, 10, 11, 12). Diese „perfekte Asymmetrie“ steht jeweils für bedeutende christliche Zahlen: 8 für die Auferstehung Christi, 10 für die Zehn Gebote, 11 für die Apostel ohne Judas und 12 für die zwölf Stämme Israels. Die Rundbögen, typisch für die romanisch-gotische Übergangsarchitektur, ruhen auf weißen Marmorsäulen mit vielfältig verzierten Kapitellen, die teils gotisierende Motive aufweisen.

An den Innenwänden des Kreuzgangs befinden sich Freskenreste aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Besonders eindrucksvoll ist eine Szene an der Südwand, in der dargestellt wird, wie der heilige Benedikt einer Versuchung widersteht: Eine verleumderische, reich gekleidete Frau nähert sich ihm; der Mönch wirft sich nackt in Dornen, ein Engel erscheint zur Hilfe. Insgesamt zeichnen sich die Fresken durch eine einfache dekorative Stilistik, spontane Lebendigkeit und eine klare, volkstümliche Bildsprache aus.

Weitere Infos finden sich auf der Webseite der Brüder


©O.A., CCA-SA 3.0, wikimedia

Monastero Matris Domini

Nicht weit von unserem ersten Aufenthalt entfernt liegt das Kloster Matris Domini. Es befindet sich südlich der Stadt Bergamo und geht auf das 13. Jahrhundert zurück, als sich dort Benediktinerschwestern niederließen.

Bis heute wird das klösterliche Leben dort von den Schwestern aufrechterhalten, die zu ihren täglichen Stundengebeten und Gottesdiensten einladen. Sie leben zurückgezogen und bescheiden. Ihre Präsenz drängt sich nicht auf, wer jedoch vorbeigeht, kann das Kloster sehen, die Kirche oder den Eingangsbereich betreten und den Lebensstil der Schwestern näher kennenlernen.

Das Museum des Klosters zeigt romanische Fresken aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Einige zählen zu den frühesten Beispielen der Freskenmalerei in der Lombardei – manche sogar zu den ältesten überhaupt. Im Jahr 1359 musste das Kloster vermutlich aufgrund baulicher Schäden neu errichtet werden; die damaligen Fresken wurden dabei abgelöst und auf geeignete Träger übertragen, was ihre heutige Erhaltung ermöglicht hat.

Das Museum beherbergt außerdem fünf polychrome Glaskreise aus dem 14. Jahrhundert, ursprünglich Teil eines Buntglasfensters in der Apsis der alten Kirche. Es handelt sich um die ältesten Glasarbeiten in der Lombardei.

Infos zum Museum der Schwestern gibt es hier


Abbazia Santa Maria di Monte Oliveto Maggiore

Reist man weiter Richtung Siena, trifft man auf die Abtei Monte Oliveto Maggiore. Im 14. Jahrhundert ließen sich dort Benediktinermönche nieder, um „Gott einen fürsorglichen Dienst zu erweisen“, so in der Chronik des Mönchs Antonio da Barga. Bis heute empfangen die Mönche Gäste und laden zu gemeinsamen Gebetszeiten ein. Ein Höhepunkt ihrer Liturgie ist der gregorianische Gesang, der bei der Vesper, Komplet und teilweise den Laudes erklingt.

©Adrian Michael, CCA-SA 3.0, wikimedia

Die rund 30 dort lebenden Mönche leben von Gebet und Arbeit, insbesondere in der Landwirtschaft sowie durch Wein- und Spirituosenproduktion.

Kunstinteressierte Besucher werden vor allem vom Museum der Abtei angezogen. Der ehemalige Kapitelsaal beherbergt heute das Abteimuseum, das selbst von großformatigen Wandmalereien geschmückt ist. Ein Beispiel ist an der Nordseite ein Fresko der Madonna mit Kind und Heiligen.

Ausgestellt sind Kunstschätze aus dem Erzkloster und den Kirchen der umliegenden Diözese. Die ältesten Werke stammen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Weitere Exponate umfassen Kruzifixe, Altarbilder, Gemälde und Porträts. Ein eigener Raum ist 17 Aquarellen aus dem 18. Jahrhundert gewidmet.

Weitere Informationen zum Museum gibt es hier


©Castro Pretorio, CCA-SA 4.0, wikimedia

Abbazia di Montecassino

Die Reise führt weiter südlich nach Montecassino, Geburtsort des Benediktinerordens und Wallfahrtsort für Frieden und kulturelle Erneuerung.

Unter Abt Desiderius, dem späteren Papst Viktor III., erreichte Montecassino im 11. Jahrhundert seine größte Blüte und beherbergte über 200 Mönche. Heute lebt dort noch eine kleine Gemeinschaft von etwa acht Benediktinermönchen (Stand 2024, Quelle: EWTN).

Für das Jahr 2029 planen die Benediktiner ein großes Jubiläum: das 1500-jährige Bestehen der Abtei Montecassino.
Mehr Infos dazu hier auf orden.de.

Montecassino bietet als einzigartiges Bauwerk viele Möglichkeiten, das Schöne zu bewundern und vielleicht darin Gott zu finden. Das Kloster ist erfüllt von Kunst und Kultur, von der Architektur über Skulpturen bis hin zu Gemälden und Skizzen. Besonders hervorzuheben sind die Architektur und Statuen des Bramante-Kreuzgangs, der Skizzenraum, die älteren Bauteile des Klosters sowie das Grab des heiligen Benedikt und der heiligen Scholastika.

Weniger bekannt, aber lohnenswert, ist das Stiftsmuseum auf dem Montecassino. Es bietet den Besuchern auf zwei Stockwerken Einblicke in die Geschichte und Kunst des Klosters. Die Sammlung reicht vom 6. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Es gibt Abteilungen für Archäologie, Mittelalter, Miniaturen, Drucke, Gemälde, Silberarbeiten und liturgische Gewänder.

Die Webseite des Klosters bietet erste Eindrücke in die Ausstellung: Heilige Gewänder, Elfenbeinarbeiten, italienisches Silber, Skulpturen, Fundstücke, Portale und Fragmente der Basilika. Nicht zu unterschätzen sind auch die Sammlungen benediktinischer Ikonografie sowie ein Raum, der der Geburt Christi gewidmet ist. Hier wird unter anderem „Die Geburt Christi“ von Sandro Botticelli gezeigt.

Vor dem Verlassen des Museums wird ein Film über die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs angeboten. Er zeigt die Rolle Montecassinos auf der deutschen „Gustav-Linie“, seine Bombardierung und seinen Wiederaufbau.

Hier die Webseite der Benediktiner


Kloster Neustift – Ausstellung „Empörung!“

Zurück in den deutschsprachigen Raum führt unsere Reise zum Kloster Neustift in Südtirol, einem Augustiner-Chorherrenstift. Es wurde 1142 vom seligen Bischof Hartmann von Brixen gegründet. Wie es ursprünglich ausgesehen hat, ist nicht überliefert. Nach einem Brand im Jahr 1190 musste die gesamte Anlage im romanischen Stil neu errichtet werden. Spätere Erweiterungen wie das neue Chor oder die Seitenaltäre wurden im spätgotischen Stil ausgestattet.

©Rolf Kranz, CCA-SA 4.0, wikimedia

In diesem Kloster haben Kunst und Kulturgeschichte einen hohen Stellenwert. Es besitzt ein hauseigenes Museum mit Kunstwerken, Büchern und wissenschaftlichen Instrumenten aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Auch das Stift selbst ist ein kunsthistorisches Gesamtkunstwerk, das Elemente der Romanik, Gotik, des Barock und Rokoko vereint.

Die aktuelle Sonderausstellung „Empörung! Kloster Neustift im Bauernaufstand 1525“ wird seit dem 10. Mai in der Engelsburg und im Stiftsmuseum gezeigt. Sie beleuchtet die Ereignisse des Aufstands in Neustift im größeren historischen Kontext und zeigt zudem die heutigen Herausforderungen der Landwirtschaftsbetriebe des Klosters. Am 18. Oktober 2025 findet dazu ein Studientag mit Vorträgen über die Bauernaufstände von 1525 statt – betroffen waren damals auch die Klöster Neustift, Stams und die Fürstabtei St. Gallen.

Neu ist auch die Kunstgalerie des Klosters, die in diesem Jahr eingeweiht wurde. Darin werden Werke von Künstlern aus der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino präsentiert.

Weitere Infos zur Sonderausstellung gibt es hier