Ruth SchaumannDer Herr segne Dich und behüte Dich, Er zeige Dir sein Angesicht und erbarme sich Deiner. Er wende Dir sein Antlitz zu und schenke Dir seinen Frieden.
Schon längere Zeit begleiten mich biblische Worte, in denen vom Angesicht, vom Antlitz oder vom Ge-sicht die Rede ist. Mindestens 178 Mal wird dieses Wort in der Hl. Schrift auf verschiedenste Weise ver-wendet und kann in diesem Zusammenhang Trost und Segen spenden. Gerade auch, wenn wir täglich die Psalmen unseres Stundengebetes beten, werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass es um die Bezie-hung des Menschen zu Gott und umgekehrt geht. Im Buch Ex 3,6 verhüllte zunächst Mose auf dem Berg sein Gesicht; denn er fürchtete sich Gott anzuschauen. Gott verheißt ihm, dass sein Angesicht mit ihm ge-hen wird, bis er ihm Ruhe verschafft hat. Der Höhepunkt der Begegnung Mose mit Gott ist die Antwort Gott Jahwes auf die Bitte Mose: “Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen!“
Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will. Du kannst mein Angesicht nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben… Hier diese Stelle da! Stell dich an diesen Felsen! Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, stelle ich dich in den Felsspalt und halte meine Hand über dich, bis ich vorüber bin, dann ziehe ich meine Hand zurück, und du wirst meinen Rücken se-hen. Mein Angesicht aber kann niemand sehen. (Ex 33,18 ff)
Gott lässt sich auf die persönliche Begegnung mit Menschen ein und ist dabei auf dessen Wohl und Heil bedacht. Er kommt ihm, so weit wie es für den Menschen möglich ist, entgegen, offenbart sich und weckt in ihm die Sehnsucht nach dieser unverhüllten Begegnung mit Gott, die uns verheißen ist.
Anders ist es mit Jesus, dem Sohn Gottes, er ist das menschgewordene Angesicht Gottes, in das die Men-schen seiner Zeit konkret schauen durften. Aus diesem Antlitz strahlte ihnen die Güte, Barmherzigkeit und Menschenfreundlichkeit Gottes entgegen. Sie wurden geheilt, berufen und gesandt. In ihnen und durch sie sollte das Gesicht Gottes aufscheinen und von dessen Zuwendung an die Menschen erzählen. Jesus verwies auch darauf, dass wir in den notleidenden, hilfesuchenden, armen und schwachen Mitmen-schen ihm von Angesicht zu Angesicht begegnen können: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan. (Mt 25,40)
Aktuell zum Jubiläumsjahr 800 Jahre Tod des hl. Franziskus möchte ich unsere Aufmerksamkeit auf sei-nen Segen lenken, dessen Worte er dem Buch Numeri entnahm und sie zur Bestärkung, zum Trost und zur Zuversicht seinen Brüdern mit auf dem Weg gab. Wir bekommen diesen jeden Neujahrstag in der Le-sung zugesagt. In unserer Gemeinschaft beenden wir das Stundengebet jedes Mal mit diesem Segen, weil er uns mit der franziskanischen Gemeinschaft und Spiritualität verbindet. Mehr noch, weil wir uns da-durch bewusst werden, dass wir Gesegnete sind, die zum Segen für andere werden sollen, indem sie zur Begegnung mit Gott und den Mitmenschen von Angesicht zu Angesicht einladen.
Pace e Bene!
Sr. Maria Kreiner, GO
Franziskanerinnen von der Buße in Aiterhofen