Abt Mauritius Wilde OSBPapst Leo war kürzlich in Metz. Er hat diesen Ort als Endstation seiner Frankreichreise gewählt, weil er einige ermutigende Worte zum Thema „Europa“ sagen wollte. Dabei hat er sowohl in seiner Rede im Schuman Kongresszentrum als auch in der anschließenden Heiligen Messe in der Metzer Kathedrale die besondere Rolle der Klöster in der Entwicklung Europas hervorgehoben. Es war eine Rede voller Optimismus und Zutrauen zu allen Europäern, aber auch zu den Klöstern, und – wie ich finde – zu allen Ordensgemeinschaften.
Der Ort war bewusst gewählt worden. Robert Schuman, der in Metz gewohnt hatte, war einer der wichtigsten Konstrukteure der Europäischen Wiederversöhnung. Eine Zeit lang wollte er Priester werden, entschied sich jedoch, Laie zu bleiben, aber zölibatär zu leben. Hätte er dieselbe Kraft, dasselbe Engagement und dieselbe Opferbereitschaft gehabt, wenn er einen anderen Weg gewählt hätte? Er wurde Benediktineroblate.
Schon 1934 fand er den Kontakt zu Konrad Adenauer, dem anderen wichtigen Protagonisten der europäischen Einigung. Sie trafen sich im Kloster Maria Laach. Klöster und Orden können Orte der Begegnung sein, in denen man sich frei und ohne Scheuklappen und Angst austauschen kann. „Begegnung“ war auch eines der großen Stichworte in Papst Leos Rede in Metz. Europa sei stark in der Begegnung. Das schließe allerdings die Auseinandersetzung in Kriegen ein, beziehe sich aber vor allem auf die Fähigkeit, sich auszusöhnen. Gerade in dieser Grenzregion zwischen Frankreich und Deutschland, in der Millionen Menschen in drei großen Kriegen ihr Leben ließen, begann die Wiederversöhnung mit Robert Schumann, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi, die mit der Gründung der Montanunion eine konkrete Form fand. Alle drei waren Katholiken und konnten in einer Zeit, in der die Nationalismen an ihr Ende gekommen waren, in ihrem Glauben eine Dimension finden, die wieder zusammenführt. Als Grenzgänger hatten sie Unterstützung in Klöstern gefunden: Adenauer im Kloster Maria Laach, Schuman versteckte sich zeitweise in einem französischen Trappistenkloster.
Wir sollten unsere Wirkung als Klöster und Orden auf Politik und Gesellschaft nicht unterschätzen, selbst dann, wenn wir momentan wenig Wirkung sehen. Papst Leo hat daran erinnert: Genau deshalb habe sein Vorgänger Papst Paul VI den Heiligen Benedikt zum Patron Europas gemacht. Gebe Gott, dass wir unserem je eigenen Charisma treu folgen und so zu Mithelfern von Gottes wunderbarer Macht werden, die allen Menschen Frieden und Gerechtigkeit bringen will.